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„Silent Killer" Bluthochdruck - Behandlung von Hypertonie

Viele Menschen kennen ihren Blutdruck nicht. Eine ziemlich riskante Angelegenheit, denn Bluthochdruck erhöht das Risiko für schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Dr. med. Maximilian Preißler, Experte für kardiovaskuläre Prävention und Hypertonie, über die lebenswichtige Rolle der Früherkennung.

Prävention

Dr. med. Maximilian Preißler

Leitender Arzt ias PREVENT München, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Kardiovaskulärer Präventivmediziner (DGPR®), Sportkardiologe (DGK®), Hypertensiologe (DHL®), Notfallmediziner – Leitender Notarzt (BLAEK®)

Es ist eine Krankheit, die man weder sieht noch spürt. Es sei denn, man misst seinen Blutdruck regelmäßig fachgerecht. Die Rede ist von Bluthochdruck, medizinisch „arterielle Hypertonie“ genannt. Beim Bluthochdruck liegt eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems vor, bei der der Blutdruck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Obwohl Mediziner:innen eine leichte Verbesserung der Blutdrucksituation in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten verzeichnen können, steigt die Prävalenz weltweit durch eine immer älter werdende Bevölkerung. Bei Menschen über 60 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, Bluthochdruck zu bekommen, bei etwa 60 Prozent. So erkrankten im Jahr 1975 594 Millionen Menschen an Hypertonie, während 2015 1,1 Billionen Menschen unter der Krankheit litten. Heute sind allein in Deutschland zwischen 20 und 30 Millionen Menschen betroffen – also fast jede:r dritte Bürger:in. Neben einer genetischen Disposition spielen Faktoren wie zunehmendes Alter, übermäßige Kochsalzzufuhr, mangelnde Bewegung und Übergewicht (Adipositas) eine Rolle. Auch die Schlafqualität scheint großen Einfluss auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks zu nehmen.

Wie erkennt man Bluthochdruck?

Da Bluthochdruck aufgrund seiner nicht sichtbaren Symptome oftmals erst spät erkannt wird, spielt die Prävention eine wichtige Rolle und entscheidet über die zukünftige Lebensqualität im Alter. Doch ab welchen Werten handelt es sich um die Erkrankung „Bluthochdruck“? Die Übersicht der European Society of Cardiology (ESC) legt folgende Standardwerte fest, an denen sich Betroffene bei der Blutdruckmessung orientieren können:

Bluthochdruck – DER „Silent Killer“

Wer von arterieller Hypertonie betroffen ist, weiß es oftmals nicht. Schließlich sieht und merkt man die Krankheit in den seltensten Fällen. Deshalb wird Bluthochdruck in medizinischen Fachkreisen auch als „Silent Killer“ bezeichnet. Die Krankheit ist neben Diabetes mellitus, Tabakrauchen und Hypercholesterinämie der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Tritt nur einer dieser genannten Risikofaktoren auf, kann dies das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko um das Zehnfache steigern. Kommt eine bauchbetonte Fettleibigkeit (abdominelle Adipositas) hinzu – man spricht auch vom „tödlichen Quartett“ oder „metabolischen Syndrom“. Bleibt eine Hypertonie unerkannt oder unbehandelt, kann das Herz Schaden nehmen. Es kommt zu einer sogenannten „hypertensiven Herzerkrankung“, die das Risiko für eine Herzinsuffizienz oder einen plötzlichen Herztod drastisch erhöht.

Geschlechterspezifische Unterschiede bei Hypertonie

Inwiefern sich eine Hypertonie auf die Menschen auswirkt, ist individuell zu betrachten. Was das Geschlecht betrifft, zieht die Medizin jedoch signifikante Unterschiede:

  • Frauen entwickeln eine manifeste Hypertonie besonders häufig in der Postmenopause als Folge der komplexen hormonellen Umstellung.
  • Aufgrund von besonderer Gefäßarchitektur und -funktion (u.a. kleinere Gefäßdurchmesser) kann man bei Frauen mit zunehmendem Alter einen steileren systolischen Blutdruckanstieg im Vergleich zu Männern feststellen.
  • In der Wirkung der unterschiedlichen Blutdruckmedikamente (Antihypertensiva) zeigen sich zwar, außer bei der Gruppe der Kalziumantagonisten, keine wesentlichen Unterschiede, jedoch entwickeln Frauen häufiger Nebenwirkungen (Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen und sogenannte „Ödeme“ – Wassereinlagerungen).
  • Insbesondere ältere, kleine Frauen („Little old Ladies“) entwickeln aufgrund von anatomischen Unterschieden (kürzere und steifere Aorta = Hauptschlagader) eine gefährliche, unerkannte „maskierte Hypertonie“, welche in der Oberarmblutdruckmessung normale Werte zeigt.
  • Die „Demaskierung“ kann mittels Pulswellenanalyse (PWA) und zentraler Blutdruckmessung erfolgen.
  • Durch eine frühzeitige Bluthochdruckbehandlung von schwangeren Frauen könnten zudem 3100 Frühgeburten pro Jahr in Deutschland verhindert werden.
AdobeStock/Angel Santana

Wie lässt sich Bluthochdruck diagnostizieren und therapieren?

Je früher, desto besser. Das gilt, wie für alle Krankheiten, auch für die Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie. Dabei umfasst die Diagnostik mehr als nur die reine Blutdruckmessung. So spielt die Suche nach blutdruckbedingten Endorganschäden eine ebenso entscheidende Rolle. Mediziner:innen empfehlen eine kontinuierliche Überprüfung des Blutdrucks beim Arzt oder in Selbstregie. Eine sogenannte „Mess-Woche“ können Betroffene eigenständig mit einem Oberarm-Blutdruckmessgerät vornehmen: Hierfür morgens und abends in körperlicher Ruhe jeweils zwei Blutdruckmessungen (vier Messungen pro Tag) durchführen und den Mittelwert über eine Woche dokumentieren. Liegt der Blutdruck im Mittelbereich, bei 120/80 mmHg, ist er ideal. Die Grenzwerte liegen laut Leitlinien bei 130/80 mmHg (ESH/ESC) bzw. 135/85 (ESH/ESC/NICE). Um 100 Prozent sicherzugehen, dass keine Hypertonie vorliegt, sollte man seinen Arzt oder seine Ärztin konsultieren.

Wird eine Hypertonie frühzeitig diagnostiziert, bieten sich vielseitig effektive Therapiemaßnahmen an, die gleich mehrere Säulen umfassen und je nach Krankheitsverlauf individuell abgestimmt werden:

Experten-Tipp

Die beste Medizin, um lebensbedrohliche Bluthochdruckschäden zu vermeiden, bleibt die gezielte Prävention und das regelmäßige Blutdruckmessen. Messen, messen und nochmals messen sowie ein bewusster Lebensstil mit ggf. medikamentöser Unterstützung lautet das Geheimrezept!

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