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Inflammaging - Entzündungen vorbeugen und gesund altern

Die oft zitierte Aussage „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ mag zwar den Gemütszustand widerspiegeln, doch die Biologie lässt sich nicht austricksen. Dr. Paula Satzger erklärt die unterschwellige Gefahr chronischer Entzündungen und warum Prävention ausschlaggebend ist, um Inflammaging langfristig entgegenzuwirken.

Prävention

Ein Pärchen läuft am Strand und schaut sich dabei gegenseitig an.

Dr. med. Paula Satzger

Leitende Ärztin ias PREVENT München, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Hypertensiologie (DHL®)

Die verborgene Ursache von Krankheit und Alterung - und wie man sie eingrenzen kann

Im Laufe eines jeden Lebens verändert sich der Körper unaufhaltsam: er altert. So verlieren beispielsweise Augen, Haut, Muskeln, Gelenke, Sehnen und Knochen an Kraft, Elastizität und Dichte. Hinzu kommen alterstypische Erkrankungen, die den Körper schwächen. Dass diese das Produkt des eigenen Lebensstils sein können, zeigen Forschende auf und sprechen dabei von „Inflammaging“: So belegen Studien und Forschungsprojekte einen Zusammenhang zwischen stillen, chronischen Entzündungen und dem Altern. Der Rückschluss auf den individuellen Lebensstil verdeutlicht: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Stille Entzündungen: Permanente Schwelbrände im Körper

Eine Entzündung ist eine Abwehrreaktion des Körpers auf schädliche Reize oder Zellschäden. Beim Eindringen von Fremdkörpern oder Verletzungen schützt sich der Körper durch die Förderung von Entzündungsreaktionen. Typische Anzeichen einer Entzündung sind Rötung, Schwellung und Schmerz.

Bei stillen Entzündungen bleiben die typischen Merkmale zumeist aus. Lange Zeit unentdeckt sind sie das eigentliche Problem und lassen sich mit einem permanenten Schwelbrand vergleichen. Trotz ausbleibender Symptome versucht das Immunsystem gegenzusteuern. Anstatt fremdartige „Eindringlinge“ anzugreifen, beginnt der Körper, sich selbst anzugreifen, und schwächt das Immunsystem. Es ist medizinisch nachgewiesen, dass das Immunsystem im Laufe des Alters zunehmend Botenstoffe freisetzt, die Entzündungen fördern können. Wird dieser Prozess durch einen ungesunden und unausgewogenen Lebensstil intensiviert, schwächt dies das Immunsystem dauerhaft, bedingt die Entstehung chronischer Entzündungen und beschleunigt den Alterungsprozess.

Gibt es typische Beschwerden?

Inflammaging verursacht keine eindeutigen Symptome. Müdigkeit, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Konzentrationsstörungen oder Muskel- und Gelenkbeschwerden können viele verschiedene Ursachen haben. Einzelne Blutwerte können Hinweise auf eine Entzündung geben, beweisen aber für sich allein kein Inflammaging. Anhaltende Beschwerden sollten deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.

Auslöser chronischer Entzündungen

Zu wenig Bewegung, Stress und Schlafmangel, Umwelteinflüsse oder eine unzureichend ausgewogene Ernährung können stille Entzündungen fördern. Dabei spielt insbesondere die Darmflora (Mikrobiom) eine entscheidende Rolle: Ist diese gestört, gelangen Krankheitserreger leichter in den Blutkreislauf und können eine Immunreaktion auslösen, die wiederum zu einer stillen Entzündung führen kann. Auf diese Weise bedingen auch Zahnfleischentzündungen oder zu viel Bauchfett die Entstehung der „silent inflammation“ maßgeblich. Neben den genannten Faktoren können allerdings auch bereits bekannte Entzündungen Auslöser sein. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Chronische Darmerkrankungen (u.a. Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa)
  • Knochen- und Gelenkbeschwerden (u.a. Gicht)
  • Unverträglichkeiten und Allergien (u.a. Gluten und Laktose, Heuschnupfen, Asthma) 
     

Was ist von Vitamin D und „Anti-Aging“-Präparaten zu halten?

Nahrungsergänzungsmittel und sogenannte Anti-Aging-Präparate erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Ob sie altersbedingte Prozesse tatsächlich verlangsamen können, ist für viele dieser Ansätze wissenschaftlich bislang nicht ausreichend belegt.

Vitamin D ist keine allgemeine Behandlung gegen Inflammaging und sollte vor allem bei einem nachgewiesenen Mangel eingenommen werden. Auch in Bezug auf Omega-3-Kapseln, Polyphenole und andere Nahrungsergänzungsmittel ist zu bedenken, dass sie eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen können.

Medikamente wie Metformin oder Rapamycin sowie sogenannte Senolytika, also Wirkstoffe, die alternde Zellen gezielt beseitigen sollen, werden derzeit in der Altersforschung untersucht. Für gesunde Menschen sind sie bislang nicht allgemein empfohlen.

älterer Mann mit Badekappe im Schwimmbad
Ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Bewegung fördern gesundes Altern.
AdobeStock/Halfpoint

Mit gezielter Prävention Inflammaing entgegenwirken

Inflammaging lässt sich nicht mit einem einzelnen Lebensmittel, Präparat oder Medikament verhindern. Die beste wissenschaftliche Grundlage haben regelmäßige Bewegung, Krafttraining, eine mediterrane Ernährung, Nichtrauchen, ausreichend Schlaf und ein gesundes Körpergewicht.

Regelmäßige Check-ups helfen, persönliche Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen. Ziel ist nicht, das Altern aufzuhalten, sondern möglichst lange gesund, leistungsfähig und selbstständig zu bleiben.

 

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