impulse 2/2019

imp uls e 2 / 2 019 16 Der Later Life Work Index Wie Mitarbeiter länger zufrieden arbeiten. Und wie Unternehmen dadurch erfolgreicher werden Illustration: Nadia Snopek / Shutterstock, Fotos: Brinkhoff-Mögenburg / Leuphana (li.), stockfour / Shutterstock A R B E I T & GE SU NDH E I T D er Later Life Work Index (LLWI) befasst sich mit Faktoren, die dazu beitragen, dass in einer Organisation das Arbeiten im Alter und Arbeiten in altersdiversen Teams erfolg- reich ist. Welche das sind, erläutert Jür- gen Deller im Interview. Professor Deller, welche These steht hinter dem LLWI? Der Sozialpsychologe Kurt Lewin be- schreibt Verhalten als eine Wechselwir- kung zwischen einer Person und ei- ner Situation. Für die Arbeitswelt bedeutet das: So wie wir Arbeit ge- stalten, hat das Auswirkungen auf das Verhalten von Mitarbeitern. Das ist eine große Chance! Wir erforschen bereits seit Jahren, wie sich Menschen mit zuneh- mendem Alter am Arbeitsplatz verhalten und wie alternsgerechte Arbeit aussehen müsste. Wichtige Rahmenbedingungen sind dabei etwa, sich entwickeln zu kön- nen, Wissen weiterzugeben oder mit Leu- ten zusammenzuarbeiten. Mit dem Index wollen wir herausfinden, welche Aspekte Unternehmen hierzu optimieren können. Also: Welche Dimensionen führen dazu, dass Menschen zufrieden und gesund bleiben und dass gleichzeitig Unterneh- men profitabel und leistungsfähig sind? Was gehört zu einer alternsgerechten Arbeitsgestaltung? Alternsgerecht heißt, Arbeit für jede Altersgruppe angemessen zu gestalten. Was bedeutet etwa Arbeitszeit für einen 20-Jährigen oder für eine 65-Jährige? Bietet ein Unternehmen unterschiedli- che Arbeitszeitmodelle für einzelne Le- Vergleichswerte Der Later Life Work Index er- möglicht Unternehmen eine Einschätzung ihrer Handlungs- optionen im Umgang mit älteren Beschäftigten und altersdiver- sen Belegschaften. An der Studie der Leuphana Universität Lüneburg können Organisationen aller Branchen mit mindestens 30 Beschäftigten kostenlos teil- nehmen. Sie erhalten einen de- taillierten Ergebnisbericht für ihre Organisation sowie einen Benchmarkabgleich mit ver- gleichbaren Unternehmen. Weitere Informationen unter www.later-life-work-index.org Prof. Dr. Jürgen Deller Wirtschaftspsychologe am Forschungszentrum Digitale Transformation der Leuphana Universität Lüneburg bensphasen an, führt das dazu, dass die Belegschaft produktiver oder zufriedener ist und dass das Unternehmen auch mehr verdient? Darauf haben wir noch keine Antwort. Deshalb hinterfragen wir die Wirksamkeit einzelner Aspekte im Index. Was geschieht mit Unternehmen, die sich damit nicht auseinandersetzen? Diese Unternehmen werden im Laufe der Zeit Herausforderungen haben, Personal zu halten und zu gewinnen. Ganz beson- ders, wenn sie keine starke Arbeitgeber- marke haben. Für spezielle Tätigkeiten finden sie niemanden, weil der Arbeits- markt leer gefegt ist. Menschen auch über das 65. Lebensjahr hinaus zu beschäfti- gen, kann dann eine Option sein. Aller- dings nur, wenn der Betrieb frühzeitig mit seinen Beschäftigten spricht. Ihr Tipp für Unternehmensentscheider? Ihr könnt es gestalten! Es geht darum, an gewissen Stellen flexibler zu werden, zuzuhören und mit den Mitarbeitern Lösungen zu finden. Wie das geht, zeigt der Index.

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